In Liebe loslassen – Grenzen ohne Kälte
- Katrin Eilenberger

- 5. März
- 2 Min. Lesezeit
Eine dreiteilige Blogserie aus Sicht einer Mutter
Teil 1: Wie ich mit Schuld umgehe

Schuld ist leise.
Sie sitzt nicht am Tisch, sie steht dahinter.
Sie kommentiert alles.
„Du hättest es früher merken müssen.“
„Du warst zu streng.“
„Du warst zu weich.“
„Du warst nicht da.“
„Du warst zu viel da.“
Egal, was ich antworte – sie findet ein Gegenargument.
Am Anfang habe ich versucht, sie wegzudrücken.
Ich habe Listen gemacht mit allem, was ich richtig gemacht habe.
Ich habe mich verteidigt, vor anderen und vor mir selbst.
Ich habe Gründe gesucht. Erklärungen. Beweise.
Doch Schuld verschwindet nicht, wenn man sie bekämpft.
Sie wird nur raffinierter.
Also habe ich begonnen, sie anders zu betrachten.
Ich habe mir erlaubt, zu sagen:
Ja, ich habe Fehler gemacht.
Ja, ich war manchmal überfordert.
Ja, ich habe Dinge gesagt, die ich heute anders sagen würde.
Aber ich war nie lieblos.
Ich war nie gleichgültig.
Ich habe nie aufgehört, dich zu sehen.
Schuld will mich glauben lassen, dass ich allmächtig gewesen wäre.
Dass ich jede Entwicklung hätte steuern können.
Dass ein einziger Satz alles verhindert oder alles zerstört hat.
Das stimmt nicht.
Ich bin eine Mutter.
Kein Orakel.
Kein Schutzschild gegen jede Dunkelheit.
Kein perfekter Mensch.
Ich habe gelernt, zwischen Verantwortung und Allmachtsfantasie zu unterscheiden.
Verantwortung heißt:
Ich schaue ehrlich hin.
Ich entschuldige mich, wenn es nötig ist.
Ich lerne.
Ich wachse.
Allmachtsfantasie heißt:
Ich glaube, ich hätte alles kontrollieren können.
Das ist eine Illusion.
Und sie macht nur einsam.
Es gibt Tage, da trifft mich die Schuld wie eine Welle.
Wenn ich sehe, wie schwer du es hast.
Wenn ich höre, was du dir selbst sagst.
Wenn ich mich frage, ob ein anderer Weg dich sicherer gemacht hätte.
An diesen Tagen tue ich etwas Schweres:
Ich bleibe sanft mit mir.
Nicht, weil ich alles richtig gemacht habe.
Sondern weil Selbstverachtung niemandem hilft.
Nicht dir.
Nicht mir.
Schuld darf da sein.
Aber sie darf nicht das Steuer übernehmen.
Denn du brauchst mich im Heute.
Nicht als perfekte Mutter.
Nicht als schuldfreie Mutter.
Sondern als echte.
Und manchmal ist genau das der Anfang von etwas Neuem.




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