Gedanken über... Liebe, die bleibt. Ich kann dich trotzdem lieben
- Katrin Eilenberger

- 14. Feb.
- 3 Min. Lesezeit
Ich habe lange gebraucht, um zu verstehen, dass ich nicht gegen dich kämpfe.
Ich kämpfe gegen meine Angst.
Die Angst, dich zu verlieren.
Die Angst, dass ich etwas übersehen habe.
Die Angst, dass ich irgendwann auf einen Anruf warte, der alles beendet.
Und ja: Es gab Tage, da war ich wütend. Nicht auf dich als Mensch.
Auf dieses unsichtbare Ding, das dich von innen wegzieht.
Auf die Lüge, die dir zuflüstert, dass du allein bist, dass du es nicht wert bist, dass du es nur noch irgendwie betäuben musst.
Ich habe mich gefragt, wann es angefangen hat.
Ob es ein Moment war, den ich nicht bemerkt habe.
Ein Blick, den ich dir nicht zurückgegeben habe.
Eine Umarmung, die ich zu spät angeboten habe.
Ein „Reiß dich zusammen“, wo eigentlich ein „Komm her“ hingehört hätte.
Vielleicht war es nicht ein großes Ereignis.
Vielleicht war es tausendmal zu wenig Resonanz.
Ich weiß, ich kann nicht rückgängig machen, was war.
Aber ich kann dir heute sagen, was ich damals vielleicht nicht geschafft habe:
Du musst nicht perfekt sein, um geliebt zu werden.
Du musst nicht stabil sein, um dazugehören zu dürfen.
Du musst nicht stark wirken, um in meinen Armen sicher zu sein.
Ich kann dich trotzdem lieben.
Nicht als Belohnung, nicht als Vertrag, nicht als Druckmittel.
Nicht „wenn du endlich…“
Nicht „sobald du…“
Sondern jetzt.
Und ich sage das nicht, weil ich alles gutheiße.
Ich sehe sehr klar, was dich zerstören kann.
Ich sehe, wie du manchmal lügst — nicht weil du böse bist, sondern weil du dich schämst.
Ich sehe, wie du dich entfernst, wenn du Nähe am meisten brauchst.
Ich sehe, wie du versuchst, durch den Tag zu kommen, ohne zu fühlen.
Aber hör mir zu:
Ich trenne dich von dem, was dich festhält.
Du bist nicht dieses Verhalten.
Du bist nicht diese Nacht.
Du bist nicht dieser Rückfall.
Du bist nicht die Version von dir, die im Dunkeln Entscheidungen trifft.
Du bist mein Kind.
Und ich werde ehrlich sein: Ich kann dich nicht retten.
Ich kann nicht für dich leben.
Ich kann nicht an deiner Stelle entscheiden.
Was ich kann:
Ich kann präsent bleiben, ohne dich zu kontrollieren.
Ich kann Grenzen setzen, ohne dich zu bestrafen.
Ich kann „Nein“ sagen, ohne dich wegzustoßen.
Ich kann zuhören, ohne dich zu reparieren.
Ich kann dich erinnern, wenn du dich vergisst.
Vielleicht wird es Tage geben, an denen du mich nicht ertragen kannst.
Vielleicht wirst du meine Liebe nicht glauben können, weil du sie dir selbst nicht glaubst.
Vielleicht wirst du sie wegschieben, testen, verhöhnen, ignorieren.
Ich bleibe trotzdem wahr.
Denn Liebe ist nicht Zustimmung zu allem.
Liebe ist: Du bist noch da. Und ich auch.
Wenn du eines Tages aufwachst und merkst, dass du wieder atmen willst, wirklich atmen —
wenn du einen Menschen brauchst, der dich nicht zuerst bewertet, nicht zuerst analysiert, nicht zuerst beschuldigt —
dann will ich dieser Mensch sein.
Nicht als Richterin.
Nicht als Polizistin.
Als Mutter.
Ich kann dich trotzdem lieben.
Und falls du gerade in dir drin nichts fühlst außer Leere:
Dann nimm meine Worte wie eine Decke. Du musst sie nicht verdienen.
Du musst sie nur zulassen.
Komm nach Hause.
Wenn nicht in einen Ort, dann in einen Moment.
In einen Satz.
In einen Blick.
Ich bin hier.

Grenzen sind auch Liebe
Ich habe gelernt, dass Liebe ohne Grenzen irgendwann zu Angst wird.
Und Angst macht laut.
Sie schreit, kontrolliert, klammert, überwacht.
So wollte ich nicht lieben.
Früher dachte ich, ich müsse alles auffangen.
Jeden Fehler weich machen.
Jede Konsequenz abfedern.
Jeden Absturz verhindern.
Ich dachte, das sei Fürsorge.
Aber irgendwann merkte ich:
Ich nahm dir die Möglichkeit, selbst aufzustehen.
Also habe ich begonnen, „Nein“ zu sagen.
Nicht gegen dich —
für uns beide.
Nein zu Geld, das verschwindet.
Nein zu Ausreden, die euch beide schützen.
Nein zu Geschichten, die ich nicht mehr glauben kann.
Und weißt du was?
Mein Herz zittert jedes Mal.
Grenzen fühlen sich für eine Mutter nicht stark an.
Sie fühlen sich an wie Loslassen auf dünnem Eis.
Aber Liebe ist nicht:
dich vor jeder Wand zu bewahren.
Liebe ist:
dich wissen zu lassen, dass ich da bin,
auch wenn du gegen eine läufst.
Ich halte dich nicht fest,
aber ich falle auch nicht von dir weg.
Ich bleibe.
Mit offenen Armen —
und klarem Blick.




Kommentare